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2021 auf der Überholspur: Merle Menje

Eine junge Frau fährt mit ihrem Rennrollstuhl auf einer Straße bei den Paralympics in Japan

Ein turbulentes Jahr voller neuer Erlebnisse neigt sich dem Ende zu. Für Merle Menje gab es einige unvergessliche Momente: Neue Deutsche Rekorde im Rennrollstuhlfahren, mehrfaches Gold und Silber bei der EM, ihr spannendes Paralympics-Debüt und Träume, die in Erfüllung gingen – alles mit nur 17 Jahren! Wir haben sie zum Interview getroffen:

Liebe Merle, was war dein Highlight im letzten Jahr?

Ganz klar, die großen Wettkämpfe bei der Para Leichtathletik Europameisterschaft und den Paralympics. Auf die Rennen habe ich mich am meisten gefreut – vor allem darauf, mit den besten Frauen der Welt fahren zu dürfen.

Bei der EM im Juni hast du Weltklasse Athletinnen hinter dir gelassen und Gold- und Silbermedaillen abgeräumt. Wie war es für dich, als du dich damit für die Paralympics nominiert hast?

Bei der Europameisterschaft hatte ich im Hinterkopf, dass es möglich sein könnte. Aber als die Nominierung feststand, konnte ich es nicht glauben. Es war alles so surreal. Ich habe mich gefreut, aber konnte es gleichzeitig gar nicht glauben. Circa drei Monate später, an meinem 17. Geburtstag, ging es dann mit dem Paralympischen Team nach Tokio, erst da wurde es etwas realer.

Hattest du dir für die Paralympischen Spiele etwas vorgenommen?

Ich wollte ohne große Erwartungen antreten und einfach Spaß haben. Manchmal mache ich mir etwas Druck, aber als ich dort war, war ich entspannt und habe mich hauptsächlich geehrt gefühlt und gefreut, dabei sein zu dürfen. Mein einziges Ziel war es, mich bei den Vorläufen für die finalen Wettkämpfe zu qualifizieren – das habe ich jedes Mal geschafft.

Und dann warst du in den finalen Rennen auch noch vorne mit dabei!

Ja, ich bin mehr als zufrieden, wie es gelaufen ist – es war wirklich mehr als ich erwartet hätte.

Merle Menje vor dem Rennen in ihrem Rennrollstuhl

Merles Bilanz bei den Paralymypics:
4. Platz über 800m und 1500m
8. Platz über 400m
6. Platz über 5000m

Das waren super erfolgreiche Spiele, keine Frage. Aber ärgert man sich nicht ein bisschen, die Bronze Medaillen zweimal nur knapp verpasst zu haben?

Ja, ich gebe zu, in den Momenten kurz nach diesen Rennen habe ich mich schon geärgert. Aber nur kurz… dann traf mich wieder die Realisation: Krass! Ich bin bei den Paralympics auf Platz Vier! Das sehe ich im Nachhinein als einen Gewinn – nicht als einen Verlust der Medaillen.

Wenn die Konkurrenz so groß ist, wie ist die Stimmung untereinander?

Während dem Rennen sind wir ganz klar Konkurrentinnen. Aber als Athletinnen verstehen wir uns gut und schätzen einander sehr.

Wenn du dir Anfang 2021 einen Tipp hättest geben können, welcher wäre das?

Ich selbst zu bleiben. Ich würde nichts anders machen, sondern wieder versuchen, locker und mit Freude an die Startlinie zu gehen. Der Knackpunkt zum Erfolg ist die Lust! Nur wenn man etwas gerne macht, kann man sein Bestes geben.

Deine Bekanntheit in den Medien hat sich deutlich gesteigert – was hältst du von der ganzen Aufmerksamkeit?

Es ist gut für den Behindertensport. Menschen, die sich noch nie mit der Thematik beschäftigt haben, werden dadurch darauf aufmerksam – zu mehr Verständnis trage ich gerne bei.

Ich finde die ganze deutsche Mannschaft hat sich toll präsentiert. Die Medienpräsenz ist total wichtig, um zu zeigen was wir sportlich draufhaben und was gemeinsam erreicht werden kann!

Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje in Berlin und London bei einem Marathon.

Wo ein Wille, da ein Weg: Auf Merles Nachfrage durfte sie am Berlin-Marathon (Bilder links, Mitte) im September teilnehmen, ihrem ersten Marathon überhaupt – direkt mit super Ergebnis, dem 4. Platz. Sieben Tage später fuhr sie beim London-Marathon (Bild rechts) als Zweite durch die Ziellinie. Dorthin wurde sie eingeladen – da sagt man natürlich nicht nein.

Wie war die lange Strecke für dich?

Einen Marathon zu fahren war schon immer mein Traum. Ich liebe einfach Ausdauer- und Straßenrennen, schon seit ich klein war. Das ganze Drumherum ist auch toll und vor allem die Strecke durch die Stadt macht sehr viel Spaß. Und es ist ein schöner Kontrast zu den Rennen im Stadion.

Ich fasse grob zusammen: EM in Polen, Paralympics in Japan, Marathon Berlin, dann in London, Training in der Schweiz – du kommst ganzschön rum in der Welt.

Ja! Das ist ein schöner Nebeneffekt des Sports. Ich lerne gerne neue Orte und Menschen kennen. Es gibt mir ein Stück Freiheit.

Merle Menje mit ihrem Küschall Aktivrolli in verschiedenen Ländern

Viel unterwegs: Der Aktivrollstuhl Küschall THE KSL in Schwarzweiß begleitet Merle auf Ihren Reisen und im Alltag.

Wird dir das nie zu viel? Das intensive Training, das Reisen, bei den Rennen abliefern und dann noch das übliche Leben einer angehenden Abiturientin mit Schule, Freunden und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Ich gehe im Sport einfach auf. Es macht mir unglaublich viel Freude, zu trainieren und zu reisen. Man muss Neues ausprobieren und Dinge finden, die einen begeistern. Ich möchte auch anderen zeigen, dass sie das können. In schwierigen Momenten oder wenn ich mir zu viel Druck mache, weiß ich, dass ich auf die Unterstützung von Freunden und Familie zählen kann.

Wirklich schön, dass du die Menschen als Vorbild mitreißen kannst und auch offiziell kürzlich zur Para Nachwuchssportlerin des Jahres gewählt wurdest.

Merle Menje mit ihrer Auszeichnung zur Para Nachwuchssportlerin des Jahres .

Die ganze Saison war für mich ein Traum und diese Auszeichnung zu bekommen, ist einfach ein wunderschöner Abschluss.

Was steht als nächstes bei dir an?

Jetzt im Winter liegt mein Fokus mehr auf dem Langlauf und ebenfalls die kommenden zwei Jahre verstärkt auf der Schule, da mein Schulabschluss näher rückt. Was den Rennrollstuhl angeht, geht es dann wieder im März mit den ersten Wettkämpfen los.

Du willst mehr von Merle wissen?

Auf ihrem Instagram-Profil und auf @unlimited.wheelchairs gibt es alle Neuigkeiten von Merle Menje! Alles über ihren sportlichen Aktivrolli und die Marke Küschall findest du hier!

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